Donnerstag, 19. Juni 2014

Tilt-Shift-Objektiv für das Samsung NX-System


Die Firma Walimex hat ein Tilt-Shift-Objektiv unter anderen für das Samsung NX-System herausgebracht.




Das Objektiv soll eine Brennweite von 24 mm und eine Lichtstärke von f:3,5 haben. Für einen Preis von knapp 1000€ kann das Objektiv bei Amazon bestellt werden

Tilt-Shift-Objektive sind wahre Exoten unter den Objektiven. Der gesamte Objektivkörper kann gegenüber den Sensorebene gekippt und verschoben werden. Doch was für einen Sinn hat das?

Fangen wir mit der Shift-Funktion an. Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor ein Haus und wollen ein Foto davon machen. Um auch noch den Dachfirst auf das Bild zu bekommen neigen Sie die Kamera leicht nach oben. Das Ergebnis sieht etwa so aus:


Die vertikalen Linien der Hauswand sind auf dem Foto nicht mehr vertikal sondern laufen nach oben zusammen. “Stürzende Linien” wird dieser Effekt genannt. In der Architekturfotografie wird oft versucht, diesen Effekt zu vermeiden und senkrechte Linien auch senkrecht auf dem Foto abzubilden. Das geht theoretisch ganz einfach. Der Sensor muss nur vertikal stehen, also die Kamera muss nur gerade gehalten werden. Das Ergebnis sieht dann aber vielleicht so aus:


Der Dachfirst ist nicht mehr mit auf dem Bild und außerdem ist viel zu viel Vordergrund abgebildet.

Geht auch beides, Bild mit Dachfirst und ohne stürzende Linien?

Ja, optisch kann das durch die Shiftfunktion des Tilt-Shift-Objektivs gelöst werden. Die Kamera wird so gehalten, dass der Sensor senkrecht steht. Um den Dachfirst aufs Bild zu bekommen wird das gesamte Objektiv parallel zur Sensorebene nach oben verschoben.

Das Ergebnis sieht dann etwa so aus:


Dieses Bild wurde nicht mit einem Tilt-Shift-Objektiv erzeugt. Es wurde nachträglich im RAW-Konverter (in diesem Fall RAW Therapee) korrigiert.

Die Tilt-Funktion ist dagegen nicht auf elektronischen Wege nachträglich zu verwirklichen. Um den Hintergrund dieser Funktion zu verstehen müssen wir uns erst mit dem Begriff der Schärfentiefe vertraut machen. Wenn ein Objektiv auf ein Objekt scharf gestellt wird, dann wird nicht nur dieses Objekt selber sondern auch ein gewisser Bereich davor und danach scharf abgebildet. Wie tief dieser Bereich ist bestimmt die Blendenzahl. Bei f:2,8 ist der Bereich sehr klein, bei f:22 ist er groß.



Bei einem normalen Objektiv ist der Schärfenbereich parallel zur Sensorebene ausgerichtet. Was macht man in dieser Situation?


Das gelbe Blümchen würde unscharf abgebildet werden. Die Blende kann weiter zugedreht werden, so das der Schärfentiefenbereich größer wird. Nur kommt dann auch weniger Licht durch das Objektiv und die Belichtungszeit wird länger. Das führt dann wieder zu andern Problemen.

Eine andere Möglichkeit ist, den Schärfentiefenbereich zu drehen:



Genau das macht die Tilt-Funktion. Der Objektivkörper wird zur Sensorebene gekippt. Dadurch verläuft der Schärfentiefenbereich nicht mehr parallel zur Sensorebene.

Tilt-Shift-Objektive sind keine neuen Erfindungen. Die meisten alten Plattenkameras hatten schon die gleiche Funktionalität. Ein flexibler Balg verband Kamera und Objektiv. Und Objektiv konnte so sehr einfach verschoben und geneigt werden.

Gv ext.jpg
Gv ext“. Über Wikipedia.

Anwendungsbereiche für Tilt-Shift-Objektive sind vor allem die Architektur- und Landschaftsfotografie. Um mal schnell ein Foto zu machen sind sie wegen der vielen Einstellungen völlig ungeeignet.

Solche Objektive bieten viele kreative Möglichkeiten, setzen aber einen technisch sehr versierten Fotografen voraus.

Sonntag, 8. Juni 2014

Neue Gerüchte zur kommenden Samsung NX1

Photografix berichtet von neuen Gerüchten zum neues Spitzenmodell der Samsung Systemkameras. Die Kamera soll voraussichtlich zur photokina im September vorgestellt werden.

Ersten Gerüchten zur Folge sollte Android als Betriebssystem der NX1 zum Einsatz kommen. Jetzt in die Rede von Tizen, das auch schon in anderen Samsung-Kameras zum Einsatz kommt.


Von allen technischen Aspekten mal abgesehen, wäre das meiner Meinung nach eine kluge Entscheidung. Eine Kamera mit einem Handy-Betriebssystem in den Händen von Profis oder semi-professionellen Anwendern kann ich mir nur schwer vorstellen.

Weitere Artikel zur Samsung NX1:

Tutorial RAW Therapee, Fotos von Veranstaltungen

Im ersten Teil der Reihe geht es um das Entwickeln von RAW-Dateien von Veranstaltungen. Mit Veranstaltungen meine ich die Familienfeier, das Fußballspiel vom Junior am Wochenende, das Skirennen oder den Grillabend mit den Freunden. Erst einmal will ich klären, was das Besondere an solchen Fotos ist.

Auswahl aus vielen Bildern

Erst einmal geht es in der Regel um sehr viele Bilder. Ich habe bei solchen Aufnahmen eigentlich immer die Serienbildfunktion aktiviert. Von jeder Situation mache ich dann immer 3 bis 4 Bilder und schaue zu Hause, welches der Bilder am besten geworden ist. Der Grund dafür ist einfach. Fotografiert man mehrere Menschen, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass beim Auslösen einer gerade die Augen geschlossen hat. Bei Sprotaufnahmen genau den richtigen Augenblick zu erwischen ist auch sehr schwierig. Deswegen ist es eine gute Idee, viele Bilder zu machen und dann die besten auszuwählen.

Die Auswahl aus vielen Bilder ist eine wichtige Besonderheit.

Dokumentarisch

Die Bilder haben oft mehr einen dokumentarischen als einen hohen künstlerischen Anspruch. Es geht vor allem darum, dass das Bild technisch in Ordnung ist und der Bildaufbau einigermaßen stimmt. Besondere Bearbeitungstechniken für Farben oder gar Retusche ist normalerweise nicht nötig. Auch muss man nicht unbedingt aus jeder Fläche noch die letzte Zeichnung heraus holen. Die Hauptperson muss vernünftig dargestellt werden, das reicht.

Lichtsituation

Für alle Bilder ist die Beleuchtungssituation sicher nicht gleicht, aber für viele. Die Lichtfarbe, also die Farbtemperatur, ist bei vielen Bildern hintereinander fast identisch. Auch der Kontrast ist bei vielen Bildern sehr ähnlich. Hier kann man rationell arbeiten und die Einstellungen bei anderen Bildern übernehmen.

Es ist auch grundsätzlich besser, wenn man hier nicht allzuviel experimentiert. Oft werden die Bilder einer Veranstaltung in Serie nacheinander betrachtet. Unterschiede in der Farbabstimmung fallen da besonders stark auf

Zuschneiden

Bilder auf Veranstaltung müssen meist unter Zeitdruck angefertigt werden. Bei Sportveranstaltungen ist das wegen der schnellen Bewegungen besonders extrem. Zeit für eine aufwändige Bildkomposition bleibt da nicht. Oft muss man nach dem Motto “draufhalten und abdrücken” fotografieren. Im RAW-Konverter ist dann meist ein aufwändiger Beschnitt notwendig.

Zeitdruck

Vielleicht hat man am Sonntag bei eine Sportveranstaltung des Vereins Bilder gemacht. Spätesten am Montag sollte dann der Zeitungsartikel oder der Beitrag für den Internetauftritt fertig sein, natürlich mit den Bildern.

Wenn man auf einer Geburtstagsfeier fotografiert hat, dann will die Verwandtschaft auch nicht ewig auf die Fotos warten. Oft wird da auch mit Smartphones fotografiert. Damit kann man Fotos fast sofort auf Facebook und Co posten. Das der Mensch mit der teuren “Profikamera” dann so ewig braucht, um die Bilder den Verwandten präsentieren zu können, stößt oft auf wenig Verständnis.

Egal wie, die Bilder müssen in einer vertretbaren Zeit fertig werden. Rationelles Arbeiten ist angesagt.

Schritt 1, Vorbreitung

Zuerst kopiere ich die RAW-Dateien in einen Ordner. Den Ordner benenne ich z. B. so:

2014-01-23_RiesenslalomArber

Das hat den Vorteil, dass die Ordner immer chronologisch sortiert angezeigt werden. Ich fotografiere grundsätzlich in der Einstellung RAW + JPG. Die JPGs können direkt im Ordner angezeigt werden und dienen so als gute Orientierungshilfe.

Schritt 2, Aussortieren

So, jetzt kann RAW Therapee gestartet werden. Ich öffne gleich den Editor.


Bei dieser Art der von Bildern fotografiere ich immer mit der Serienbildfunktion. Das hat mehrere Gründe. Schnell ist ein Bild mal verwackelt, mal sind die Füße abgeschnitten, der Autofokus hat Unsinn gemacht oder man erwischt den falschen Augenblick. Macht man mehrere Bilder, dann ist die Wahrscheinlichkeit für ein gutes Bild einfach höher.

Im RAW-Konverter geht es zunächst einmal darum, Ausschuss auszusortieren. Ich schau mir also das erste Bild und stelle mir folgende Fragen:
  1. Ist das Motiv überhaupt lohnenswert?
  2. Ist der Bildausschnitt brauchbar?
  3. Sind die wichtige Bildteile scharf abgebildet?
Wenn die Antwort auf eine der Fragen “nein” lautet, dann wandert das Bild in den Papierkorb.



Für die Beurteilung der Schärfe verwende ich oft die 1:1-Ansicht.


Manchmal ist es nützlich, alle Seitenleisten zu verstecken um den gesamten Bildschirm zu nutzen. RAW Therapee hat auch eine nützliche Vollbildfunktion.


Weiter geht es zum nächsten Bild.



Wenn ich durch bin, dann wird der Papierkorb geleert und ich springe wieder zum ersten Bild.

Schritt 3, Auswahl der Bilder aus der Serie

Habe ich nach dem ersten Schritt von einem Motiv noch mehrere Bilder übrig, dann vergleiche ich diese genauer.

Ich achte auf den Gesichtsausdruck, auf den optimalen Moment usw. und suche mir das beste Bild aus. Alle anderen werden wieder zum Löschen markiert und zum Schluss wird in einem Rutsch gelöscht.

Nun sind nur noch die Bilder übrig, die wirklich konvertiert werden sollen. Die nächsten Schritte dürfen jetzt etwas zeitaufwändiger sein.

Schritt 4. Weißabgleich

Jetzt befasse ich mich intensiver mit den einzelnen Bildern. Ich bleibe zunächst beim ersten Bild.

Zuerst kümmere ich mich um den Weißabgleich.

Meine Kamera habe ich bei dieser Art von Fotos immer auf automatischen Weißabgleich eingestellt. In vielen Fälle liefert das schon einmal einen guten Anhaltspunkt. Gefällt mir das Ergebnis der Automatik nicht, dann mache ich einen manuellen Weißabgleich.


Ich suche mit im Bild eine sogenannte unbunte Fläche dafür aus. Das kann eine weiße Fläche sein, grau geht aber auch.

RAW Therapee biete noch einige weiter Möglichkeiten des Weißabgleichs an.



Ich bin immer noch beim ersten Bild!

Schritt 5. Rauschen

Um das Rauschen brauche ich mich nur dann zu kümmern, wenn ich mit einem höheren ISO-Wert fotografiert habe. Das versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden. RAW Therapee verfügt zwar über leistungsfähige Funktionen zu Rauschminderung, deren Anwendung bedeuten aber immer ein Verlust an Schärfe und Detailtreue. In der Regel benutze ich ISO 200, so dass keine Rauschminderung erforderlich ist.

Ab ISO 400 schalte ich in RAW Therapee die Rauschminderung ein.



Ich suche mir einen dunklen Bereich im Bild und schalte auf 1:1-Ansicht.



In den meisten Fällen ist der erste Regler “Luminanz” am wirkungsvollsten.

Schritt 6. Einstellungen per Zwischenablage auf ähnliche Bilder übertragen

So, jetzt geht es Schlag auf Schlag. RAW Therapee verfügt über eine sehr clevere Funktion, mit der alle Einstellungen in die Zwischenablage kopiert und auf andere Bilder übertragen werden können.




Ich blättere von Bild zu Bild und füge die Einstellungen ein. Wenn notwendig, dann nehme ich ein paar Anpassungen vor und kopieren die neuen Einstellungen wieder in die Zwischenablage.

Wichtig ist, dass das Übertagen der Einstellungen vor der Festlegung des Beschnittes erfolgt, da sonst auch diese Einstellungen kopiert werden. Das ist nur selten sinnvoll.

Schritt 7. Ausschnitte festlegen

Nun gehe ich wieder zurück zum ersten Bild. Jetzt führe ich an jeden Bild einzeln die 7 bis 9 durch. Wenn ich mit einem Bild fertig bin, dann lege ich es für die Stapelverarbeitung bereit.



Zunächst kümmere ich mich um den richtigen Bildausschnitt. RAW Therapee ermöglicht die Einblendung von Hilfslinen.


Ich benutze fast immer die Hilfslinien nach der Drittelregel. Ich versuche den Ausschnitt so zu legen, dass wichtige Bildelemente in der Nähe der Schnittpunkten liegen.

Schritt 8. Belichtung und Kontrast

Der nächste Schritt ist die Einstellung der richtigen Belichtung. Dazu blende ich das Histogramm ein.


Bewege ich den Regler “Belichtungskorrektur” kann ich damit gut beurteilen, ob rechts und links Tonwerte abgeschnitten werden und das gegebenenfalls korrigieren.

Ich benutze immer zu Anfang die Automatik, um erst mal einen Ausgangspunkt für die Belichtung zu haben.


Sehr nützlich ist auch die Funktion zum Anzeigen zu heller Bereiche.



Ich korrigiere die Belichtung mit Hilfe dieser Funktion so, dass bildwichtige Bereiche nicht überbelichtet sind.

In den meisten Fällen ist die Bearbeitung des Bildes jetzt schon abgeschlossen und es kann in die Warteschlange für die Stapelverarbeitung eingereiht werden.

Schritt 9. Spezialaufgaben

Manchmal sind die Bilder aber noch nicht optimal und sie müssen einer “Spezialbehandlung” unterzogen werden.

Schritt 9.1 Lichter wiederherstellen

Bei Fotos mit einer Präsentation mit einem Beamer hat man folgendes Problem: Die Belichtung kann da so eingestellt werden, dass der Vortragende und das Publikum gut zu erkennen sind. Dann ist aber das vom Beamer projizierte Bild meist stark überbelichtet und kaum noch zu erkennen.

Abhilfe schafft hier die Funktion “Lichter wiederherstellen”.


Mittels der Regler “Schwellwert” und “Stärke” kann der Effekt sehr fein geregelt werden. Hier heißt es ausprobieren.

Schritt 9.2 Perspektivische Entzerrung, Drehung

Oft muss es beim Fotografieren sehr schnell gehen. Die Zeit um die Kamera genau horizontal auszurichten fehlt da manchmal. Das ist kein Problem. Mit RAW Therapee kann das im Nachhinein gemacht werden.



Mit der Fein-Rotation kann das Bild digital gerade gerückt werden.

Direkt darunter befinden sich die Regler für die Perspektive. Damit können “stürzende Linien” korrigiert werden. Das ist bei Veranstaltungsfotos nur selten nötig, aber manchman doch nützlich. Beispielsweise, wenn der Inhalt der Beamer-Projektion nicht verzerrt dargestellt werden soll.

Schritt 10 Stapelentwicklung starten

Erst einmal ein paar Worte dazu, was eigentlich mit “Stapelentwicklung” gemeint ist.

Beim Ändern von Einstellungen haben wir bisher im Vorschaubild immer gleich die Auswirkung gesehen. Scheinbar hat RAW Therapee die Einstellung gleich auf das Bild angewendet. Das ist aber falsch. Es wurde immer nur die Vorschau aktualisiert. Die Vorschau ist wesentlich kleiner. Deswegen ist zu keinen merklichen Verzögerungen gekommen. Alle Bearbeitungsschritte wurden in einer Textdatei gespeichert.



Diese kann auch mal im Editor betrachtet werden.



Mit dem Start der Stapelverarbeitung werden die Arbeitsschritte, die in der Textdatei gespeichert sind, auf das vollständige Bild angewendet. Wichtig zu wissen ist, dass die eigentliche RAW-Datei dabei nicht verändert wird. Man spricht hier auch von der nichtdestruktiven Bildverarbeitung.

Die fertigen Bilder lege ich als JPG-Dateien in einem Unterordner des Projektordners ab. Die Einstellungen sind hier zu finden:


Die Stapelverarbeitung dauert eine gewisse Zeit. Hier zahlt sich ein Prozessor mit mehreren Cores aus. RAW Therapee verteilt diese rechenintensive Aufgabe sehr gut auf alle zur Verfügung stehenden Kerne.

Schritt 11 Kontrolle der Ergebnisse

Zum Schluss kontrolliere ich nochmal alle Fotos. Ich benutze dafür den Viewer Ristretto [https://launchpad.net/ubuntu/+source/ristretto]. Den habe ich als Standardviewer für Bilder installiert.

So, damit ist die Verarbeitung der Bilder abgeschlossen. Die Verarbeitung der RAW-Daten mit RAW Therapee kostet eine gewisse Zeit. Das Programm gestattet es aber, die Verarbeitung stark zu rationalisieren. Je nach dem, wie individuell die Bilder bearbeitet werden sollen, kann man mehr oder weniger Arbeit hinein stecken.

Wenn die Parameter wirklich für jedes Bild 100% gleich sein sollen, dann gibt es noch eine wesentlich effektivere Möglichkeit der Verarbeitung. Doch dazu ein andern Mal mehr.

Mehr Infos

Freitag, 30. Mai 2014

Tutorial RAW Therapee, Einleitung

Wenn es um das Entwickeln von RAW-Dateien geht, dann ist meist von Adobe Lightroom die Rede. Das ist zweifellos eine sehr leistungsfähige Software und für die meisten Profis die erste Wahl. Trotzdem setze ich sie nicht ein. Es gibt zwei Gründe für mich, die dagegen sprechen.
  1. Ich bin Fotoamateur. Das heißt verdiene mein Geld nicht mit dem Fotografieren. Deswegen suche ich nach einer preiswerten Lösung. Adobe Lightroom ist mit ca. 130€ schließlich nicht ganz billig. Auch spielt es für mich nicht die entscheidenende Rolle, wenn meine Software das eine oder andere Feature vermissen lässt oder in der Bedienung vielleicht nicht ganz so optimal ist.
  2. Adobe Lightroom ist nur für die Plattformen Windows und Mac verfügbar, jedoch nicht für Linux. Ich benutze auf meinem privaten Computer das freie Betriebssystem. Damit scheidet Lightroom eigentlich fast schon aus. Natürlich hätte ich versuchen können, es per Wine oder gar in einer virtuellen Maschine laufen zu lassen. Die RAW-Entwicklung ist aber eine rechenintensive Sache. Emulationen und virtuelle Maschinen kosten aber immer Rechenpower.

Zuerst hatte ich den RAW-Konverter genutzt, der mit der NX10 mitgeliefert wurde. Es handelte sich damals um eine abgespeckte Version von Silkypix. Mit den aktuellen Systemkameras von Samsung wird übrigens jetzt Adobe Lightroom mitgeliefert.

Mit dem Umstieg auf meinem neuen Linux-Laptop wechselte ich auch vom Samsung RAW-Konverter zu RAW Therapee 64 Bit. Das ist nicht die einzige Software, die für diesen Zweck unter Linux zur Verfügung steht. Bei der Suche nach RAW werden im Software-Center von Ubuntu noch die folgenden Programme angezeigt:
Mit Sicherheit lassen sich noch viele andere Programme für diesen Zweck finden. RAW Therapee gehört aber zu den leistungsfähigsten unter den freien RAW-Konvertern.

Die Kehrseite der vielen Funktionen ist aber, dass es dem Einsteiger schwer fällt, auf Anhieb den Sinn jeder einzelnen Funktion zu verstehen.

Im Netz gibt es ein paar deutschsprahige Quellen zu RAW Therapee. Da ist als erste Anlaufstelle das Handbuch, welches bei Google Docs zur Verfügung gestellt wird.

Interessant ist auch dieses Tutorial:
http://www.digitalphoto.de/tutorials/rawtherapee-raw-bilder-unkompliziert-entwickeln

Beiden Quellen ist aber gemeinsam, dass die die einzelnen Funktionen von RAW Therapee erklären, aber nicht den Arbeitsablauf für die Entwicklung bestimmter Arten von Bildern. Ich werde versuchen, diese Lücke mit einer kleinen Artikelreihe zu schließen.

Mehr Infos

Montag, 26. Mai 2014

Neues Spitzenmodell Samsung NX1

Ein neues Spitzenmodell der Systemkamerafamilie von Samsung ist im Anmarsch. Voraussichtilich zur Photokina wird diese vorgestellt. Die Fachmesse findet vom 16. bis 21. September in Köln statt. Die Samsung-Fans müssen sich also noch etwas gedulden.

Von den technischen Daten ist bisher wenig bekannt. Angeblich soll auch die NX1 mit einem APS-C-Sensor mit 28 Megapixel ausgestattet sein. Anscheinend handelt es sich um eine Neuentwicklung.

Eine kleine Überraschung ist, dass die Kamera mit dem Betriebssystem Android ausgestattet sein wird. Samsung hat jan mit diesem Betriebssystem bei der Galaxy NX schon einige Erfahrungen gesammelt.

Die Produktpalette der Systemkameras von Samsung ist inzwischen klar gegliedert. Die NX-Kameras mit den vierstelligen Nummern, also aktuell die NX3000, bilden das Einsteigersegment. Die dreistelligen NX-Kameras (NX300M) bilden die kompakte Mittelklasse. Die zweistelleige NX-Kameras (NX30) sind die obere Mittelklasse mit fest eingebauten Sucher und die einstellige NX1 ist die Samsung Oberklasse.

Weitere Artikel zur Samsung NX1:

Montag, 19. Mai 2014

Samsung Galaxy NX, ein teures Spielzeug?

Das Samsung eine Systemkamera mit Android anbietet ist eigentlich konsequent.Schließlich ist der Konzern weltweit der größte Anbieter von Smartphones mit diesem Betriebssystem. Ist die Samsung Galaxy NX nun revolutionär oder nur teures Spielzeugt?

9082856491 80836f01b9 oGalaxy NX by SamsungBE
Auf jeden Fall hat das Konzept erst einmal einen großen Vorteil. Android ist das am weitesten verbreitete Betriebssystem für Smartphones. Das intuitive Bedienungskonzept ist sehr vielen Menschen vertraut. Für den Einsteiger ist die herkömmliche Bedienung einer modernen leistungsfähigen Digitalkamera erst einmal überhaupt nicht intuitiv. Im Gegenteil. Die meisten sind von die vielen Knöpfchen und Rädchen am Gehäuse erst einmal total überfordert. Das ging mir nicht anders. Ein großer Touchscreen mit einer bekannten Bedienungsoberfläche senkt auf jeden Fall die Hemmschwelle.

Aber auch die Knöpfchen und Rädchen haben ihre Vorteile. Durch sie sind viele wichtige Funktionen direkt erreichbar. Man muss sich nicht durch Menüs hangeln. Der größte Vorteil für mich persönlich ist aber, dass die Bedienelemente ertastbar sind. Ich kann beispielsweise das Auge am Sucher lassen, um mit der OK-Taste das Bild zu vergrößern. Bis ich mir gemerkt hatte, welche Funktion durch welchen Knopf zu erreichen ist, ist einige Zeit vergangen.

Ich kann mir aber auch durchaus Szenarien vorstellen, bei denen eine Kamera mit Android seine Vorteile voll ausspielen kann. Auf einer Reise zum Beispiel. Will man während man unterwegs ist ein Blog mit gute Fotos verschönern oder seine Freunde in sozialen Netzwerken über seine Erlebnisse auf den Laufenden halten, dann ist so eine Kamera ideal. Dank Android lassen sich passende Apps für Facebook, Twitter und Google+ oder auch zum Zugriff auf Blogger oder Wordpress installieren. WLAN-Zugang in den meisten Gegenden auch kein Problem. Falls mal kein WLAN in der Nähe ist, dann bleibt immer noch die Mobilfunkverbindung über UMTS oder LTE. Natürlich könnte man auch einen kleinen Laptop mit auf Reisen nehmen. Doch oft ist das Gepäck beschränkt.

Mein Fazit: Für meine aktuellen Anwendungsfälle würde ich das herkömmliche Bedienungskonzept meiner NX10 favorisieren. Wenn ich aber eine Weltreise planen würde, dann würde ich ernsthaft den Umstieg auf eine Samsung Galaxy NX in Erwägung ziehen.

Samstag, 17. Mai 2014

Neues altes Objektiv

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal etwas zu dem M42-Adapter geschrieben, mit dem ich alte Praktika-Objektive an meine Samsung NX 10 anschließen kann. Nun habe ich mir ein weiteres Objektiv dafür gekauft. 

Ich es gebraucht für nur 27€ bekommen. Das Teil ist sicherlich so 25 bis 30 Jahre alt. Es handelt sich um ein Pentacon 1,8/50. Für die Praktika war das ein Normalobjektiv. Durch den kleineren APS-C-Sensor meiner Samsung wird daraus ein leichtes Teleobjektiv. Mit einer Lichtstärke von 1,8 ist das extrem lichtstark. Es gestattet, die Schärfentiefe als Gestaltungsmittel sehr effektiv einzusetzen.

Technisch gesehen handelt es sich bei dem Objektiv um ein Oreston der Firma Meyer-Optik aus Görlitz.

Dabei handelt es sich um eine sehr traditionsreiche Firma für optische Geräte, die zu DDR-Zeiten letztlich dem Kombinat Pentacon Dresden angegliedert wurde.

Das Objektiv hat natürlich keinerlei Elektronik. Autofokus? Fehlanzeige! Scharf gestellt wird manuell am vorderen Ring des Objektives. Da komme ich schon zu einem gewaltigen Unterschied zu meinen anderen beiden Samsung-Objektiven. Mit diesen ist ja auch ein manuelles Fokussieren möglich. Wenn ich dort am Ring zum Scharfstellen drehe, da wird die Bewegung elektronisch abgenommen und die Linsen werden durch einen Elektromotor bewegt. Von der Haptik her finde ich die rein mechanische Scharfstellung des alten Pentacon-Objektives wesentlich angenehmer.

Die Blende wird ebenfalls am Objektiv manuell an einem Ring eingestellt. Sie kann ja nicht vom Kameragehäuse auf das Objektiv übertragen werden. Damit ist die Einstellung "S" am Programmwahlknopf nicht möglich. Natürlich funktionieren die ganzen "Automatiken" auch nicht. Das ist für mich aber kein Problem, weil ich die sowieso nicht benutze. Ich verwende eigentlich immer A, S oder M. Mit dem alten Objektiv benutze ich meist die Einstellung "A". Das bedeutet, dass sich die Belichtungszeit automatisch an das am Sensor ankommende Licht anpasst. Diese Einstellung ist genial für das alte Pentacon-Objektiv an einer Systemkamera. Je nach dem, wie weit ich die Blende zudrehe, passt die Kamera die Helligkeit im Sucher an. Das Sucherbild ist also immer nahezu gleich hell. Das tolle daran ist, dass ich an einem hellen Sucherbild die Schärfentiefe gut kontrollieren kann. Das geht besonders gut, wenn ich mit dem OK-Knopf die Größe des Sucherbildes vergrößere. Das ist ein großer Vorteil einer spiegellosen Systemkamera gegenüber einer DSRL. Bei einer Spiegelrefexkamera wäre das nicht möglich. Die Schäftentiefe kann zwar auch hier mit der Abblendtaste kontrolliert werden. Das Bild im Sucher wird aber mit zunehmender Blendenzahl immer dunkler und schlechter zu erkennen. Die Vergrößerungsfunktion ist natürlich auch nicht möglich. Das Objektiv besitzt, so wie es früher üblich war, eine Schärfentiefeskala. Ich kann also bei offener Blende die vordere und die hintere Grenze des scharf abzubildenden Bereichs anfokussieren. Dann kann ich mir auf der Schärfentiefeskala die für den Bereich passende Blende heraussuchen.

So ein Objektiv bietet viele gestalterische Möglichkeiten. Es hat aber auch ganz klare Grenzen. Überall dort, wo es auf schnelles Einstellen ankommt, ist man damit überfordert. Für Sportfotografie ist das Objektiv nur mit großen Einschränkungen zu gebrauchen. Die Einsatzgebiete sind überall dort, wo es gemächlicher zugeht. Besonders für Architekturfotografie nutze ich es sehr gerne. Gerade in Innenräumen von Kirchen ist die große Lichtstärke sehr nützlich. Auch für einige Bereiche der Landschaftsfotografie ist es nützlich. Die leichte Tele-Brennweite und die Möglichkeit, durch die große Blendenöffnung den Bokeh-Effekt einzusetzen, macht es auch zu einem guten Objektiv für Portraits.

Wenn man bereit ist, sich ein etwas mit den Grundlagen der Fotografie auseinander zu setzen, dann bekommt man für sehr wenig Geld ein optisch hochwertige Objektiv. Ich finde es faszinieren, dass ich an einer relativ modernen Kamera ein so altes Objektiv für kreative Bilder einsetzen kann.

Ich bin übrigens nicht der Einzige, der das alt Oreston-Objektiv mag:
http://laurphoto.blogspot.de/2013/04/meyer-optik-oreston-5018_6.html

Freitag, 16. Mai 2014

Samsung kündigt Event an

Samsung kündigt für den 12. Juni in New York ein Event an. In letzten Jahr stellte Samsung dort unter anderen die Systemkamera mit Android-Betriebssystem Galaxy NX vor. Möglicherweise wird dieses Jahr das Nachfolgemodell vorgestellt. Das wäre Samsungs 4. Neuheit in diesem Jahr im Bereich der spiegellosen Systemkameras.

Dienstag, 13. Mai 2014

Root-Exploit für die Samsung NX300

Von den Sicherheitslücken in der Systemsoftware der Samsung NX300 war hier ja schon einmal die Rede. Jetzt legt Georg Lukas, der Entdecker der Lücken, nach. Er stellt einen Root-Exploit vor, mit dem man sich die vollen Zugriffsrechte auf die Kamerasoftware verschaffen kann.


Die interne Software der Samsung NX300 basiert auf dem Betriebssystem Tizen. Das ist eine Linux-Variante, die eigentlich für Smartphones, Tablets und Geräte mit eingebetteten Computern gedacht ist. Dieses offene Betriebssystem wird seit 2012 entwickelt. Samsung unterstützt die Entwicklung von Anfang an. In gewisser Weise ähnelt Tizen dem Betriebssystem Android, das ebenfalls auf Linux basiert und für einen ähnlichen Anwendungsbereich konzipiert wurde.

In seinen Blog beschreibt Georg Lukas, wie man an Root-Rechte der Kamera kommt. Ansatzpunkt dafür ist die Speicherkarte. Befindet sich auf der SD-Karte eine Datei mit den Namen autoexec.sh, dann wird das beim Start als Shell-Skipt mit vollen Benutzerrechten ausgeführt. Damit kann dann beliebige Software auf der Kamera installiert werden. Das Skipt kann dazu genutzt werden, bei aktiven WLAN eine Root-Shell zu öffnen, die über der Netzwerk zugänglich ist.

Georg beschreibt Schritt für Schritt, wie er vorgegangen ist, um den Zugang zum Betriebssystem zu finden. Mit ein wenig Linux-Kenntnissen ist alles sehr gut nachzuvollziehen. Trotzdem, wer das bei seiner eigenen Kamera ausprobieren möchte, sollte ganz genau wissen was er tut.


Müssen die Benutzer der Samsung NX300 jetzt Angst haben?

Nein, das müssen sie (noch) nicht. Die Kamera ist momentan (noch) nicht über eine WLAN-Verbindung zu hacken. Um die Lücke auszunutzen muss der Angreifer Zugang zur SD-Karte haben.

Dem normalen Benutzer einer Samsung NX300 ist im Moment trotzdem zu raten, die WLAN-Funktion abzuschalten. Sie sollte nur dann aktiviert werden, wenn man sich in einen vertrauenswürdigen WLAN befindet. Diese Warnung möchte ich nicht nur auf die Samsung NX300 beschränken. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Software anderer Kameras nicht ebenso schlampig programmiert ist.

Freitag, 9. Mai 2014

Sicherheitslücken in der Samsung NX300

Beim Desktop-PC haben wir uns ja schon daran gewöhnt. In regelmäßigen Abständen gibt es Updates, die Sicherheitslücken beseitigen. Auch bei Smartphones ist das inzwischen so.

Müssen wir nun auch bei modernen Kameras darauf achten, dass die Firmware immer aktuell ist?

Anscheinend ist das so. In diesen Artikel bei Heise wird über gravierende Sicherheitslücken in der Firmware der NX300 geschrieben:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Systemkamera-Samsung-NX300-oeffnet-Hackern-Tuer-und-Tor-2185191.html

Was mich etwas verwundert ist, dass gerade bei Samsung so etwas entdeckt wird. Als weltweit größter Smartphone-Hersteller sollte doch in der Firma das notwendige Knowhow vorhanden sein, um das Betriebssystem der Kamera sicher zu konzepieren.

Wahrscheinlich fehlt einfach noch das Bewusstsein, dass es sich bei einer Kamera mit WLAN genauso um einen vernetzten Computer wie ein Desktop-PC oder ein Smartphone handelt, mit allen Vor- und Nachteilen.